Reisebericht: Einmal durch Deutschland …

2017 reifte in mir die Idee, einmal mit dem Rad durch Deutschland zu fahren. Der Gedanke setzte sich so in meinem Kopf fest, das ich kurzer Hand mit der Planung begann.

Die Planung

Mit einer Deutschland-Übersichtskarte plante ich den Streckenverlauf. Dabei legte ich für mich einen zeitlichen Rahmen von drei Wochen fest. Start sollte Ende August 2018 sein, damit ich im jeweiligen Bundesland möglichst außerhalb der Schulferien unterwegs bin und es aber noch möglichst warm ist. Wegen der guten Bahnverbindung entschied ich mich für Harrislee bei Flensburg an der dänischen Grenze als Startpunkt. So fahre ich (hoffentlich häufig mit Rückenwind) Richtung „Heimat“. Als Zielort habe ich mir Oberstdorf als möglichst südlichsten Punkt Deutschlands gesetzt. Ich rechne mit zirka 1.600 Kilometer und nehme mir hierfür 20 Tage Zeit.

 

Das Training

Anfang Mai 2018 fange ich mit dem Training an. Durch das eigene Fahrradgeschäft stark eingespannt wird nur Sonntags gefahren. Aber dafür jeden Sonntag, bis Ende August ca. 90 Kilometer pro Strecke. Das muss reichen.

Ich fahre mit meinem 28″ Tourenrad mit der bewährten Rohloff 14 Gang Nabenschaltung. Für das Gepäck wähle ich robuste wasserdichte Packtaschen von Ortlieb und eine Lenkertasche für den schnellen Zugriff und das Kartenmaterial. Bewusst werde ich auf ein Navigationsgerät verzichten. Ich möchte das Land welches ich bereise sehen, und nicht einen Bildschirm!

Am 25.08.2018 ist es endlich soweit. Aufgeregt verabschiede ich mich morgens von meiner Frau und fahre die 10 Kilometer zum Bahnhof nach Aschaffenburg. Mit der Bahn geht es jetzt über Hanau und Hamburg nach Flensburg. Mit dem Rad geht es dann noch das kurze Stück nach Harrislee, wo ich meine einzigste gebuchte Übernachtung habe.

Geplant ist jeden Tag soweit zu fahren, wie ich Lust habe und es meine körperliche Verfassung zulässt. Der Weg ist das Ziel und ich habe mir fest vorgenommen auch abzubrechen, wenn ich merke es macht keinen Spaß mehr, oder ich schaffe es nicht. Dadurch ist jeder Druck weg. Und ich bin mir sicher, das mir diese Einstellung geholfen hat, dass das ganze Abenteuer so viel Spaß gemacht hat und ich wohlbehalten und überglücklich in der geplanten Zeit in Oberstdorf angekommen bin. Mehr will ich aber noch nicht verraten …

 

Start der Tour am 26.08.2018

Hier gebe ich Euch einen Einblick in die Strecke und ein paar Highlights, versuche mich aber kurz zu halten, damit das hier nicht zu lange wird.

Mit dem Start an der dänischen Grenze geht es zuerst über den Ochsenweg (der am schlechtesten ausgeschilderte Radweg auf der ganzen Fahrt).Oft naturbelassen, durch wunderschöne Gebiete Schleswig-Holsteins geht es nach Rendsburg an den Nord-Ostseekanal. Aber sage noch mal jemand, der Norden sei flach. Das mag an der Küste zutreffen, aber quer durch das Land geht es meistens sehr hügelig zur Sache. Direkt am Kanal führt der Radweg, oft auf beiden Seiten verlaufend entlang. Viele kostenlose Fähren laden zum Übersetzen ein. Richtung Westen geht es zur Elbemündung nach Brunsbüttel. Beeindruckend die riesigen Schiffe, die in geringer Entfernung an einem vorbei ziehen.

In Brunsbüttel angekommen konnte ich erst einmal die gewaltige Schleusenanlage zwischen der Elbe und dem Kanal bewundern. Der ursprüngliche Plan war, in Brunsbüttel die Fähre nach Cuxhafen zu nehmen. Bereits vor einem halben Jahr wusste ich, das die Fähre schon zum dritten Mal insolvent war, und so stand ein „kleiner Umweg“ von 85 Km an. Es geht die Elbe flussauf Richtung Hamburg bis nach Glückstadt. Dort setze ich über und es geht wieder nach Norden zur Elbmündung nach Cuxhafen. Das jetzt aber mit ordentlich Gegenwind. Ein kurzes Gewühl durch die Uferpromenade und der Radweg auf dem Deich wird wieder leer. Vorbei an der Insel Neuwerk geht es Richtung Bremerhaven.

Ein toller Abschnitt an der Nordsee. Schon von Weitem sind die riesigen Kranbauten des Hafens von Bremerhaven zu sehen und der Radweg geht direkt am Hafen an den gewaltigen Pötten vorbei. Kurz nach dem Hafen setze ich in der Wesermündung auf die andere Seite über und nun geht es Richtung Süden an meinem längsten Fluss entlang.

Über das flache Land geht es nach Bremen. Dort nehme ich mir die Zeit und schaue mir die Innenstadt, den Roland und natürlich die Bremer Stadtmusikanten an. Weiter Richtung Minden. Hier ändert sich die Landschaft deutlich. Schon von weitem ist die Porta Westfalica, das Tor zum Weserbergland zu sehen.

Auch der alte Mittellandkanal, ein tolles Bauwerk ist sehr sehenswert. Die Weser wird kleiner und der gut ausgebaute Radweg läßt mich durch das sonnige Land gleiten. In Hameln statte ich dem Rattenfänger einen kurzen Besuch ab und weiter geht es nach Hann. Münden.

In dieser historischen Stadt fließen Werra und Fulda zusammen und werden ab da zur Weser. Ich biege in die Fulda ein und an ihr entlang geht es nach Kassel. Jetzt bin ich schon in Hessen. Für Fulda selbst lasse ich mir etwas Zeit und genieße die Altstadt am Abend. Es wird bergiger und ich komme langsam in die Rhön. Nach Gersfeld beginnt der steile Anstieg über die Schwedenschanze nach Wildflecken. Bei dieser „Bergetappe“ mit 660 Höhenmeter erreiche ich bei 715 N.N. meine höchste Erhebung. In Bad Brückenau bleibe ich zwei Nächte und lege einen Ruhetag ein. Das Termalbad lädt zur Wellness ein.

Die Pause tut gut und bei bestem Wetter geht es nun das Sinntal durch den Spessart, meiner Heimat. Auf einem frisch neu erstellten Radweg auf einer alten Bahntrasse rollt es prima durch das kleine, von altem Fachwerk in kleinen Dörfern durchzogene Tal Richtung Gemünden. Dort treffe ich auf einen alten Bekannten, den Main. Mainabwärts ein kleines Stück und ich bin in Wertheim.

Ich biege hier in das liebliche Taubertal ein. Dieser gut ausgebaute Radweg bietet aber einige Höhenmeter! Über schöne Orte,wie Creglingen komme ich nach Rothenburg. Hier stehen gleich die nächsten Höhenmeter an. Über die Frankenhöhe erreiche ich Leutershausen und bin damit an der noch kleinen Altmühl. Am Altmühlsee vorbei geht es Richtung Treuchtlingen. Und hier beginnt meiner Meinung nach, der schönste Abschnitt des Altmühltalradweges. Mit der fränkischen Jura an imposanten Felsformationen (12 Apostel) vorbei folge ich dem Tal bis Dollnstein kurz vor Eichstätt.

Hier verlasse ich das Altmühltal und nehme ein kleines Seitental Richtung Süden, um vor Neuburg an der Donau auf selbige zu stoßen. Nun geht es Donauaufwärts nach Ulm. Die Donau ist hier schon ein mächtiger Fluss, wunderschön zu fahren, gerade durch das Donau Ries. Die Zwiebeltürme der Kirchen deuten schon auf das sich nähernde Ziel.

Kurz hinter Ulm verlasse ich die Donau und bin mit der Iller nun an meinem letzten Fluß angelangt. Es ist teilweise recht anstrengend, da bedingt durch den Illerdurchbruch (nicht fahrbar) und zwei Umleitungen der Radweg mit einigen Höhenmetern durch das Allgäu geht.

Kurz nach dem Illerursprung erblicke ich die Sprungschanzen von Oberstdorf und habe nach 20 Tagen und 19 Etappen mein Ziel erreicht.

Glücklich, es geschafft zu haben und aufgewühlt von den unglaublichen Eindrücken und den vielen netten Begegnungen mit immer freundlichen Menschen. 1.688 Kilometer und 6.140 Höhenmeter stecken in den Beinen.

 

 

 

Mein Fazit

Deutschland ist so vielfältig und schön, wie man es sich in seinem Alltag nicht vorstellen kann und unbedingt eine Reise wert! Obwohl ich alleine geradelt bin, war ich nie Einsam. Wunderbare Menschen durfte ich kennen lernen und viele Erlebnisse und Orte bleiben mir hoffentlich noch lange in Erinnerung.

 

Bilder Galerie

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Euer
Peter Pfeiffer

 

 

Ein Kommentar

  • Walter

    Servus Peter,
    toller Bericht Deiner Radtour mit wunderschönen Bilder, könnte direkt neidisch werden:)
    Hoffentlich bist Du nicht in Obersdorf geblitzt worden bei dem Tempo was Du vorgelegt hast.
    Übrigens habe ich festgestellt das Du auch in Altusried warst, vielleicht sagt Dir der Name Kluftinger was
    das ist der berühmt Kommisar!!

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